30. Mrz 2018 Johann Sebastian Bach - Johannespassion
Johann Sebastian Bach

Johannespassion BWV 245
Mitwirkende:
Barbara Berg (Sopran)
Susanne Langner (Alt)
Volker Arndt (Tenor)
Jörg Gottschick (Bass)
David Stingl (Bass, Christus)

Bach-Chor
Bach-Collegium

Leitung: Achim Zimmermann

Johann Sebastian Bachs Johannespassion wurde erstmals am Karfreitag, den 7. April 1724, in der Leipziger Nikolaikirche aufgeführt.
Ebenso wie die Matthäuspassion vereint sie verschiedene Textgattungen.
Der erzählende Text – die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, beginnend mit seiner Gefangennahme in Gethsemane – ist unverändert aus dem von Luther übersetzten Johannesevangelium (Kap. 18 und 19) übernommen, wobei die Berichterstattung des Evangelisten dem Tenor-Solisten zufällt, die dramatischen Reden der Personen den übrigen Solisten, die direkte Rede des Volkes dem (ungeteilten) Chor. Neben dem Bibelwort geben solistische Rezitative und Arien gleichsam Antworten auf die Verkündigung aus der Seele aufgerührter Einzelner, während die Choralsätze als anteilnehmende Kommentare der Gemeinde, der Kirche, der Christenheit zu verstehen sind. Zwei grandiose Chöre zu Beginn („Herr, unser Herrscher“) und am Schluß („Ruhet wohl, ihr heiligen Gebeine“) stecken den Rahmen der Passion ab.
Im Unterschied zu den übrigen Evangelisten läßt Johannes die menschlichen Empfindungen Jesu (Angst, Verzweiflung, Schmerz, Leiden) fast gänzlich außer acht und konzentriert sich auf das Göttliche des Gottessohns, auf seine Herrlichkeit und seine innere Ruhe im Vertrauen auf den Vater. Im letzten Moment kümmert Christus sich nicht um sich selbst, sondern um seine Mutter und seinen Lieblingsjünger, und sein Todesschrei ist zu einem würdevollen, fast friedlichen „Es ist vollbracht“ verklärt. Diese zentrale Botschaft der nicht verhandelbaren Notwendigkeit von Kreuzweg und Kreuzestod als Durchgang zur Auferstehung nimmt der Chor im Choral „Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, muß uns die Freiheit kommen“ gläubig und zuversichtlich vorweg.
Die Johannespassion ist in mehrfacher Hinsicht ein liturgisches Kunstwerk. Das zeigt sich nicht nur in den vielfältigen und sinnfälligen musikalischen Ausdeutungen des Textes, in harmonischen Wendungen und in der Wahl bestimmter musikalischer Formen (der Chor „Wir haben ein Gesetz“ ist als strenge Fuge vertont), sondern auch im Tonartenschema und in der Anordnung der einzelnen Sätze und in ihrer Bezugnahme aufeinander. (Dies kann im Programmheft nachgelesen und vertieft werden.) „Bey einer andächtig Musique“, hat Bach vor fast 400 Jahren als Randbemerkung in seine Bibel geschrieben, „ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart“. In diesem Sinne möge sich seine Musik auch und zunächst all denen unmittelbar erschließen, die sie nicht als Kunstwerk, sondern als Begegnung zwischen Mensch und Gott verstehen.


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