17. Dez 2017 Martin Kohlstedt
Martin Kohlstedts zweites Album “Nacht” (2014) bezieht sich direkt auf ihren Vorgänger und ist dennoch die Verkehrung seiner Perspektive nach innen. Hat der Komponist in “Tag” (2012) noch verspielt Fragen gestellt, folgen jetzt in aller Konsequenz neun Monologe. Diese reduzierten Stücke sprechen mit einer unterdrückten Ruhelosigkeit, distanzieren sich aber vermehrt vom Leichtfertigen. In ihnen arbeitet Kohlstedt hart an sich selbst, Repetition und rhythmische Verwandlungen entwickeln eine nach innen gerichtete Dynamik. Aus dem entstehenden Sog befreit sich die “Nacht” immer wieder neu, selbst in ihren schwerfälligsten Momenten. Und unterbewusst möchte man daran glauben, sich festhalten an diesem Gerüst, noch während es Anschlag für Anschlag konstruiert wird. Ein Ankommen ist für Martin Kohlstedt aber noch Utopie, die “Nacht” erzählt vom Suchen nach einem passenden Ort dafür. Sie ist deswegen nicht immer leicht zugänglich - vertraut sich aber ihren Hörern bedingungslos an. Persönlicher können moderne Kompositionen nicht werden.


silent green Kulturquartier
Gerichtstr. 35
13347 Berlin