09. Apr 2019 SHADOWLAND
Zehn Jahre getanzter Traum aus Schatten und Licht

Auch knapp zehn Jahre nach der Uraufführung von „Shadowland“ im Jahr 2009 hat der Zauber der ineinanderfließenden Schattenbilder, die neun Darsteller mittels Tanz, Akrobatik und einer starken Lichtquelle auf die Leinwand bringen, nichts von seiner Kraft verloren. „Shadowland“ mit seinen betörenden Bildern zu mitreißender Musik ist fast schon ein moderner Klassiker, der mittlerweile mehr als 1,5 Millionen Zuschauer in 34 Ländern auf vier Kontinenten begeistert hat und noch immer begeistert. Im April 2019 kehrt „Shadowland – Das Original“ zurück auf ausgewählte Bühnen in Berlin, München und Frankfurt.

„Können wir“. Das war die kühne Antwort auf die Anfrage eines koreanischen Automobilkonzerns, ob die Pilobolus Dance Company für einen Werbespot ein Auto darstellen könne, ohne dass ein Auto gezeigt werde. Wie Pilobolus diese Herausforderung meistern wollte, wusste zum Zeitpunkt der Zusage zwar niemand, doch das Resultat zahlloser Überlegungen und Versuche sorgte für Begeisterung: Hinter einer beleuchteten Leinwand verschränkten die Tänzer ihre Körper zu einem Gebilde, dessen Schatten aussah wie das neueste Modell des Automobilherstellers. Dieses Schattenspiel begeisterte aber nicht nur den Auftraggeber des Werbespots, sondern auch die Produzenten der Fernsehshow zur jährlichen Verleihung der „Oscars“ in Hollywood. Sie engagierten Pilobolus für die Oscar-Feierlichkeiten 2007, wo die Tanzcompagnie zum Entzücken der Filmstars im Saal und einem Milliardenpublikum an den Fernsehgeräten die nominierten Filme als Schattengebilde darstellten.

„Können wir“. Das war eigentlich schon bei der Gründung von Pilobolus der Leitgedanke, als sich im Jahr 1971 vier Studenten am edlen Dartmouth College in New Hampshire zu einer Tanzcompagnie zusammenschlossen, obwohl sie außer einem gemeinsam besuchten Universitätskurs in Modernem Tanz keine Erfahrung hatten. Die Körpersprache der Gruppe entwickelte sich daher nicht aus den normierten Bewegungen des klassischen Balletts, sondern in einem kreativen und freien Prozess, der Tanz, Artistik und Sport zu einem neuen Ausdruck verband. Der unbekümmerte Ansatz ist längst zur Institution geworden. Heute zählt die nunmehr in Connecticut residierende Tanzcompagnie, die sich nach einem kleinen Pilz, dem Pilobolus crystallinus, benannt hat, zu den bedeutendsten Ensembles in den Vereinigten Staaten. Etwa 120 Choreographien hat die preisgekrönte Gruppe seit 1971 geschaffen, und sie ist in mittlerweile mehr als 65 Ländern dieser Erde aufgetreten. Dem ganz großen Publikum ist die Pilobolus Dance Company allerdings nicht mit ihren Tanzperformances, sondern als Schattentheater bekannt geworden, trat das Ensemble doch nach dem Erfolg bei der „Oscar“-Show in weiteren populären Fernsehsendungen wie der „Oprah Winfrey Show“ in Amerika, bei „The Royal Variety Show“ in Großbritannien oder bei „Wetten, dass…?“ in Deutschland auf und begeisterte dort die Zuschauer.

„Können wir.“ Mit dieser Haltung hat Pilobolus sich auch an die Umsetzung der Idee gemacht, all die in unzähligen Proben entworfenen Schattenbilder zu einer abendfüllenden Geschichte zu fügen. Zehn Jahre ist es nun her, dass die Tanzcompagnie gemeinsam mit dem Kinderbuch- und Drehbuchautor („SpongeBob“) Steven Banks einen Plot entwarf, der von einem Mädchen im Teenageralter erzählt, das nach Unabhängigkeit strebt und sich in ihren Träumen auf eine wilde Reise durch ein Land der Schatten begibt. In „Shadowland“ begegnen ihr komische und böse, angsteinflößende und verführerische Kreaturen. Auch das Mädchen selbst wird von einer riesigen Hand in eine Kreatur verwandelt, in das Dog Girl, das Hundemädchen, dessen Herz bald für einen Zentauren schlagen wird. Es ist eine so poetische wie anrührende Coming-of-Age-Geschichte, humorvoll wie ein Cartoon und cool wie ein Road Movie, was nicht zuletzt durch die stimmigen Songs und den Score des amerikanischen Musikers und Filmkomponisten David Poe unterstrichen wird. Und so fügen sich die uralten Kulturtechniken von Schattenspiel, Tanz und Musik zu einem Kunstwerk, das mit seiner emotionalen Kraft und seiner Authentizität des Handgemachten die Zuschauer auch im Zeitalter der Digitalisierung tief berührt.


Theater am Potsdamer Platz
Marlene-Dietrich-Platz 1
10785 Berlin