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26 February 2018 The Glorious Sons
The Glorious Sons

Kingston in der Provinz Ontario ist eine dieser typischen Middle-Class-Städte, in denen das kanadische Arbeiterherz schlägt. Gelegen direkt am St.-Lorenz-Strom, gibt es hier viel mittelständische Industrie, Stahlverarbeitung und Schiffsbau. Entsprechend erdverbunden und unkapriziös klingt die Rockmusik, die von dort kommt: Die großen erfolgreichen Söhne der Stadt sind einerseits Bryan Adams und andererseits die kanadische Rocklegende The Tragically Hip. Und nun seit einigen Jahren auch The Glorious Sons, die sich stilistisch durchaus im Fahrwasser der beiden Größen dieser Stadt bewegen, dabei aber ihren ganz eigenen Klangkosmos eröffnen. Zwischen dem Roots-Rock Nordamerikas, geschmeidigem Indie und zartem Americana gelingt es den Glorious Sons, einen unverwechselbaren Stil zu kreieren, der ebenso zeitlos wie gegenwärtig ist. Dabei singen sie über Themen, zu denen jeder eine Beziehung aufbauen kann: Es sind Stories aus dem Leben und Erleben ihres begnadeten Frontmanns Brett Emmons, der, gerade einmal Mitte 20, ein derart souveränes Organ besitzt, als würde er bereits seit Jahrzehnten von seinen Irrungen und Wirrungen singend erzählen. Eben ein Storyteller alter Schule, umgeben von einer Band, die sich selber nicht mehr zu beweisen braucht, als dass sie es immer wieder schafft, Songs von erhabener Qualität zu schreiben.

Die Geschichte der Glorious Sons beginnt 2011, als besagter Brett Emmons die Schule abbricht, um mit seinem großen Bruder Jay eine Band zu gründen. Schnell finden sie in Gitarrist Andrew Young, Bassist Chris Huot und Drummer Adam Paquette die geeigneten Mitstreiter sowie einen Proberaum über einer Autowerkstatt – eine Umgebung wie geschaffen dafür, Musik zu machen, die nah am Menschen ist. 2013 erscheint ihre erste EP „Shapeless Heart“, mit der die Glorious Sons unmittelbar zum neuen Rock-Geheimtipp in Kanada avancieren. Im Jahr darauf veröffentlichen sie ihren ersten Longplayer „The Union“ und steigen damit auf zur neuen kanadischen Radio-Sensation: Ganze sieben Songs ihres Debütalbums klettern in die Top 10 der heimischen Radio-Playlisten, das Album wird für den renommierten Juno-Award nominiert. Es folgen weltweit über 300 Konzerte rund um diese Platte, bevor sich die Band daran macht, das nächste Album aufzunehmen.

Vor Beginn der Arbeiten steht eine Maxime: das nächste Werk soll so ehrlich und unverstellt werden, wie es nur geht. Den inhaltlichen Ansatz findet Frontmann Brett Emmons, als er sich durch alte Voice-Messages auf seinem Handy hört: Dort findet er die Gedanken und Überzeugungen eines jüngeren Ich, spontan und unverfälscht in Worte gegossen. Diese Sprachnachrichten dienen ihm als Startpunkt für seine neuen Texte, und als diese erst einmal gefunden sind, arbeitet die Band wie unter Strom an der nächsten Platte: Sie wird innerhalb von 12 Tagen komplett komponiert und innerhalb von 14 Tagen anschließend aufgenommen. Auch hier stets dem Credo folgend, so aufrichtig und unverfälscht wie möglich zu klingen.

Das Ergebnis, das Mitte Oktober erschienene „Young Beauties and Fools“, ist ein wunderbares Stück zeitloser Rock-Grandezza. Noch immer hört man den Glorious Sons ihre Verwurzelung im klassischen Americana-Rock an, jedoch immer wieder mutig modernisiert und mit überraschenden kompositorischen Twists versehen. Kein Wunder, dass die Platte in Kanada umgehend in die Top 20 der Charts einsteigt. Und auch die erste Single „Everything Is Alright“, die bis auf den 2. Platz der kanadischen Rock-Charts klettert, erweist sich wieder als ein großer Erfolg. Doch viel wichtiger ist es, sich die Glorious Sons live anzuschauen, denn die Band selbst verspricht, dass in ihrem Bestreben, die Musik stets so ursprünglich wie möglich zu belassen, sich jeder Konzertabend anders gestalte. Den sie bleiben eine Band, die nur einem Wert gegenüber treu ist: einer zutiefst authentischen Interpretation dessen, was große Rockmusik heutzutage auszeichnet.
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